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Hat die Hausarzt-Praxis ausgedient?

Keine Sorge: Die Möglichkeiten für Hausärztinnen und Hausärzte sind vielfältig wie noch nie. Auf Einladung von OÖGKK und JKU diskutierten zahlreiche Medizinstudierende mit erfahrenen Praktikerinnen und Experten über die neuen Chancen und über den weiteren Entwicklungsbedarf in der Allgemeinmedizin. Tenor: Es gibt viele gute Gründe Hausarzt zu werden.

Veranstaltung: Empfang für Medizinstudierende


OÖGKK und JKU luden am 6. Mai 2019 zum Empfang für Medizinstudierende sowie junge Ärzte und Ärztinnen. Moderiert von Wolfgang Braun (OÖN) stellte sich OÖGKK-Ressortdirektor Mag. Franz Kiesl der Diskussion mit den jungen Medizinern. Dr. Magdalena Schröckenfuchs von der Initiative Junge Allgemeinmedizin Österreich (JAMÖ), Dr. Katharina Winkler vom Primärversorgungszentrum Enns und Dr. Johanna Holzhaider, OÖ Ärztekammer debattierten die aktuellen Herausforderungen und Möglichkeiten für Hausärzte.  

 

Einigkeit bestand in einem Punkt: Den Hausarzt wird es auch in Zukunft geben – die bewährte Hausarztpraxis wird aber künftig von anderen Modellen ergänzt. Die neuen Kassenverträge bieten Hausärztinnen und Hausärzte individuelle Möglichkeiten, wie sie ihr Berufsleben gestalten können. Gruppenpraxen und Primärversorgungseinrichtungen werden eine wichtige Rolle bei der hausärztlichen Versorgung der Zukunft spielen. Diese Modelle bieten viele Vorteile für Patienten, Ärzte und weitere Gesundheitsberufe.

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Viele neue Möglichkeiten für Hausärzte

OÖGKK Ressortdirektor Mag. Franz Kiesl OÖGKK-Ressortdirektor Mag. Franz Kiesl verwies schon eingangs auf die sehr guten Bedingungen für Hausärzte: „Wir als OÖGKK zahlen unseren Hausärzten das höchste Einkommen im österreichweiten Vergleich. Im Schnitt liegt ihr Jahres-Nettoeinkommen bei rund 90.000 Euro.“ Die OÖGKK unterstützt zudem Ausbildungsprogramme als auch Praxisgründungen mit beträchtlichen finanziellen Ressourcen. Auch die Rahmenbedingungen haben sich enorm entwickelt: „Wir haben die Möglichkeiten für Teamarbeit und Teilzeitarbeit stark ausgebaut.“ Besonders wichtig ist der OÖGKK, dass die Allgemeinmedizin in der Ausbildung gestärkt wird. „Junge Mediziner sollen ihre praktischen Erfahrungen nicht nur im Spital, sondern auch in der Hausarztordination sammeln. Daher fördert die OÖGKK die Famulatur, das Klinisch-Praktische Jahr sowie die Lehrpraxis im niedergelassen Bereich. Zusätzlich unterstützt ein Mentoring-Programm junge Allgemeinmediziner auf ihrem Weg.“ 

Dr. Magdalena Schröckenfuchs, Initiative Junge Allgemeinmedizin (JAMÖ) Dr. Magdalena Schröckenfuchs bekräftigte diese positive Entwicklungen für junge Ärzte, sieht aber weiteren Entwicklungsbedarf „Die Lehrpraxis ist für die Jungen die erste Möglichkeit, Einblick in die spätere Arbeit zu nehmen. Schade, dass sie erst am Ende der Ausbildung steht.“ Sie forderte deutlich mehr Praxisnähe für angehende Ärzte: „Auch im Krankenhaus wünschen wir uns mehr Arbeit mit dem Patienten und weniger hinter dem PC.“ Als Vertreterin der Initiative „Junge Allgemeinmedizin Österreich“ (JAMÖ) appelliert sie an ihre Standesvertretung: „Wir wünschen uns mehr und offene Unterstützung durch die Ärztekammer.

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Zukunftschance Primärversorgungszentrum

Dr. Katharina Winkler, Primärversorgungszentrum Enns Viele junge Mediziner sorgen sich, als Hausärzte keine ausgewogene Work-Life-Balance zu finden und als allzeit bereite Einzelkämpfer ständig verfügbar sein zu müssen. „Das Primärversorgungszentrum ist eine gelungene Möglichkeit, Beruf und Familie zu vereinen“, erzählte die Hausärztin Dr. Katharina Winkler vom Primärversorgungszentrum Enns, „Die neuen Praxismodelle ermöglichen uns Ärzten, uns mehr auf die medizinische Arbeit zu konzentrieren und uns weniger mit Bürokratie zu beschäftigen.“ 

Dr. Johanna Holzhaider, OÖ Ärztekammer Ihre Kollegin von der OÖ Ärztekammer, Dr. Johanna Holzhaider, bestätigt: „Ich bin Mutter von zwei Kindern, die Gruppenpraxis hat mir dies ermöglicht.“ Sie verweist auch darauf, dass der bürokratische Aufwand für Hausärzte oft überschätzt wird: „Vieles kann man an eine geschickte Ordinationsasistenz delegieren. Mit der neuen Arzt-Software ist die Abrechnung dann in 20 Minuten pro Monat erledigt.“ Eine große Entlastung ist für Dr. Holzhaider der Hausärztliche Notdienst (HÄND): „Damit wurde die Zahl der Bereitschaftsdienste für die einzelnen Hausärzte deutlich reduziert. Die zusätzlichen Finanzmittel in diesem Bereich sind bestens investiert.“ 

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Kein Stillstand

Die anschließende Debatte mit dem Publikum – etwa 80 Medizinstudierende und Ärzte waren der Einladung gefolgt – ergab zahlreiche weitere Anregungen an die Systempartner: Speziell bei der Ausbildung gäbe es noch großen Bedarf, viele junge Turnusärzte würden sich etwa intensive Mentoring-Programme wünschen. Ein junger Hausarzt beklagt: „Die Arbeitszeit und die Bezahlung passen ja inzwischen, aber bei der Arbeitszuständigkeit hapert es. Wieso dürfen nach wie vor nur Fachärzte und Krankenhäuser den Ultraschall zur Diagnose einsetzen?

Einigkeit herrschte bei den aktiven Hausärzten im Publikum bei der Begeisterung für Ihre Arbeit. Durchwegs sprachen sie von ihrem Beruf als einem „der schönsten Berufe der Welt“, der leider in letzter Zeit sehr schlecht geredet wurde. Sie ermunterten die die Studierenden, „sich einfach zu trauen“.

Den offiziellen Teil des Abends beschloss Ressortdirektor Kiesl von der OÖGKK: Er hoffe, dass sich nach diesem Abend manche Studierende für den Beruf des Allgemeinmediziners begeistern können. „Junge Ärzte, die sich jetzt für die Allgemeinmedizin entscheiden, können sicher sein: Mit uns haben Sie einen Partner, der auch in Zukunft zuhören wird!

Bildquelle: Petra Moser



 

Zuletzt aktualisiert am 13. Mai 2019