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Interaktions-Check: Ein Fallbeispiel

Interaktionen von Medikamenten können klinisch unauffällig, aber auch lebensbedrohlich verlaufen. Wir präsentieren ein Fallbeispiel.

Interaktions-Check Forum Arztpraxis 1/2019

Die Problemstellung: Eine Patientin, 62 Jahre, Ex-Raucherin, kommt zum Arzt wegen zunehmender Atemprobleme.

Bisherige Diagnosen:  Arterielle Hypertonie, Depression, Epilepsie, dauerhafte orale Antikoagulation nach Pulmonalembolie und Schlaganfall, Asthma.

 

Medikamentenliste (laut Patientin):

  • Lisinopril 10mg: 1 - 0 - 0 - 0
  • Respicur ret 300mg (Theophyllin): 1 - 0 - 1 - 0
  • Serevent DA (Salmeterol): bei Bedarf
  • Berodual (Fenoterol, Ipratropium): 2 x 2 Hübe
  • Wellbutrin XR ret 300mg (Bupropion) neu: 1 - 0 - 0 - 0
  • Neurotop ret 600mg (Carbamazepin): 1 - 0 - 0 - 1
  • Xarelto 20mg (Rivaroxaban): 1 - 0 - 0 - 0
  • Nexium 40mg (Esomeprazol): 1 - 0 - 0 - 0

 

Ursachenanalyse und mögliche Vorgehensweise: 

  1. Durch das Rauchen wird die Wirksamkeit von Theophyllin vermindert (CYP-Interaktion).
    ➜ eine Verschlechterung des Asthmas ist möglich!
    Vorgehensweise: Patientin bezüglich Rauchverhalten fragen und eventuell Abklärung durch Pulmonologen?

  2. Fehlerhafte Anwendung der Dosieraerosole: Serevent (langwirksam) bei Bedarf und Berodual (kurzwirksam) als Dauermedikation.
    ➜ eine Verschlechterung des Asthmas ist möglich!
    Vorgehensweise: Aufklärung über die richtige Einnahme.

  3. Wellbutrin (Bupropion) und Theophyllin können die Krampfschwelle senken.
    ➜ epileptische Anfälle sind möglich!
    Zudem ist Wellbutrin kontraindiziert bei Epilepsie.
    Vorgehensweise: Umstellung Wellbutrin auf Alternative.

  4. Carbamazepin kann bei gleichzeitiger Anwendung mit Rivaroxaban die Plasmakonzentration senken. 
    ➜  das Thromboserisiko steigt!
    Vorgehensweise: Überprüfung der Anti-Xa-Aktivität oder Umstellung auf Vitamin K- Antagonisten (Einstellung nach INR möglich).

  5. Nexium – keine Indikation vorhanden?
    Vorgehensweise: Indikation überprüfen und die Dosierung gegebenfalls optimieren bzw. bei aktuell fehlender Indikation Therapie beenden.

Weitere Problemstellungen und Aspekte sind möglich und liegen in der Verantwortung des behandelnden Arztes!

Dieser Artikel stammt aus dem FORUM Arztpraxis 01/2019 (6.3 MB), dem Fachmagazin für Oberösterreichs Ärzte.

 

Zuletzt aktualisiert am 08. Mai 2019